Arbeitsschutz | 29.03.2010

WEKA Praxiskongress Arbeitssicherheit 2010: ein Rückblick

Auch im fünften Jahr seines Bestehens hat der Praxiskongress Arbeitssicherheit nichts an Aktualität eingebüßt. Denn nicht nur Fachleute wissen: das Thema Arbeitsschutz ist immer aktuell.

Das Konzept, am 1. Tag einen Überblick über die neuesten Themen aus der Branche zu geben, und diese dann am folgenden Seminar-Tag zu vertiefen, ging auch in diesem Jahr auf. Unter der bewährten fachlichen Leitung von Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss und der nicht alltäglichen Moderation von Dipl.-Ing. Reinhard R. Lenz bot das Renaissance-Hotel in Düsseldorf das passende Ambiente für das Fachpublikum. Besten Herzlichen Dank an dieser Stelle auch an den Kooperationspartner VDSI und den Aussteller diemietwaesche.de.

Dass sich hinter dem Begriff Facility Management mehr als Hausmeistertätigkeiten verbergen, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch mit dem Arbeitsschutz ist es hier oft nicht gut bestellt. Das weiß auch Uwe Dünkel, Leiter Arbeitsschutzmanagement bei der STRABAG Property and Facility Services, Düsseldorf. Leider hat er in seiner Tätigkeit schon öfter mit dem Staatsanwalt Bekanntschaft gemacht. Und so konnte er den Teilnehmern aus eigener Erfahrung von den Fragen des Staatsanwaltes und den juristischen Folgen berichten. Aber auch, wie man solche Unfälle vermeiden kann und das Unternehmen durch eine gerichtsfeste Dokumentation vor Schaden bewahrt.

Dr. Norbert Müller war zunächst von GHS, dem Global Harmonized System, begeistert. Versprach das (mittlerweile) 559 Seiten starke "purple book" der  United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) doch erhebliche Verbesserungen in punkto einheitlicher Kennzeichnung von Gefahrstoffen. Von der Umsetzung in der Europäischen Union ist der Global Safety Adviser der Schenker AG, Essen allerdings sehr enttäuscht. Die Ungereimtheiten, gerade was die vielfach anderen Einstufungen aus dem Gefahrgutbereich betreffen, sind geblieben. Und die Fülle von 1.300 Seiten EU-Verordnung plus 440 Seiten Änderungsverordnung tragen zur Begeisterung sicherlich auch nicht bei.

Die Marken der Firma Henkel kennt jedes Kind. Es überrascht auch nicht, dass ein Unternehmen dieser Größe über ein effektives Gesundheitsmanagement mit eigenen Werksärzten verfügt. Einer der 5 Arbeitsmediziner in der Düsseldorfer Zentrale ist Dr. med. Volker Siegert, der die betriebliche Gesundheitsförderung des Konzerns vorstellte. Sicherlich kann sich nicht jedes Unternehmen solch groß angelegte Gesundheitsaktionen leisten. Aber im Programm von Henkel finden sich etliche Anregungen, die man leicht auf das eigene Unternehmen übertragen kann. Wie z.B. die Idee, die Speisen in der Kantine mit einem Ampelystem zu versehen (grünes Signal für ausgewogene Ernährung). Bei der anschließenden Mittagspause wurden einige Teilnehmer bereits bei der Farbenvergabe gesichtet.

Den Bezug zur Praxis hat sich der Kongress auf die Fahne geschrieben. Und Christian Spielvogel von der Berufsfeuerwehr Karlsruhe ist ein Praktiker, der die Realität aus seinen Einsätzen kennt. Seine Botschaft: das Thema Brandschutz und die damit verbundenen Räumungsübungen positiv wahrnehmen, die Teilnehmer Schlüsselszenen erleben lassen und die Gunst der ersten Minute nutzen. Auch wenn in Düsseldorf der Tagungsraum nicht geräumt wurde, so zeigte die Simulation einer konkreten Einsatzsituation (Herr Spielvogel suchte sich aus dem Plenum willkürlich einen Einsatzleiter heraus) wie schwierig es ist, im Ernstfall die richtigen Entscheidungen zu treffen und den Überblick zu bewahren.

Ein Blick über den Tellerrand hat noch nie geschadet. "Wie machen es andere Unternehmen?" Diese Frage lohnt sich besonders in der Arbeitssicherheit, denn die Erfahrung zeigt, dass es ein großes Bündel spannender Ideen gibt. Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss kennt viele Unternehmen aus seiner jahrelangen Beratungstätigkeit und so konnte er den Teilnehmern eine Vielzahl von Anregungen für ihre Sicherheitsarbeit mit auf dem Weg geben.

Nur wenn der Mensch sein Verhalten nachhaltig ändert, kann ein echter Veränderungsprozeß im Unternehmen stattfinden. Dies ist die Erkenntnis von Dipl.-Päd. Dirk Taglieber von der t&t Organisationsentwicklung, Hainfeld. Das Positive: diese Veränderung kann sich auf das gesamte betriebliche Umfeld auswirken und die Arbeitssicherheit so zum beispielhaften Lernfeld einer Organisation werden. Wichtig ist hierbei aus seiner Sicht die Begegnung auf "gleicher Augenhöhe" (partnerschaftliches Führen) und die klare, konsequente Orientierung (verbindliches Führen).

Das undankbare Los des letzten Vortrags traf Dipl.-Ing. Ursula Aich vom Regierungspräsidium Darmstadt, die im Schnelldurchlauf über das neue technische Regelwerk berichtete. Und hier hat sich Einiges getan: bereits 38 Technische Regeln zur Betriebssicherheitsverordnung (TRBS) sind "auf dem Markt", neue Technische Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung (TRLV) warten auf ihre Anwender, von den vielen neuen und geänderten Regeln zum Umgang mit Gefahrstoffen (TRGS) ganz zu schweigen. Man sieht, die Ausschüsse waren in den letzten Jahren sehr aktiv, auch dank Frau Aich, die immer tatkräftig mitgewirkt hat.

Die, die in Düsseldorf über Nacht blieben, konnten sich am Abend in der Altstadt stärken, um am nächsten Tag fit für eines der drei Vertiefungsseminare zu sein.

Mit drei spannenden Schwerpunkten bot der zweite Veranstaltungstag allen Teilnehmern das jeweilige Thema nach Wunsch:

  • Dipl.-Ing. Harry Papilion von der Infraserv GmbH & Co. Höchst KG, Frankfurt/Main zeigte den Teilnehmern, wie man ein effizientes Fremdfirmenmanagementsystem ohne übertriebenen Aufwand zum Leben erwecken und praxisgerecht damit arbeiten kann.
  • Der Workshop Best Practice im Arbeitsschutz mit Dipl.-Ing. Jens-Christian Voss schloß nahtlos an den Vortag an: so erfuhren die Teilnehmer, wie einfach sie erfolgreiche Sicherheitsmaßnahmen und bewährte Lösungen bekannter Unternehmen langfristig in ihrem Betrieb etablieren können - selbst gegen anfängliche Widerstände.
  • Die sichere Lagerung gefährlicher Stoffe und Abfälle ist sehr komplex. Nach Besuch dieses Seminars mit Dr. Stephan Drobnik von der Universität Tübingen verfügen die Teilnehmer nun sicherlich über das notwendige Wissen für die vorschriftsgerechte Führung ihres Gefahrstoff-/Gefahrgutlagers.

Besten Dank an dieser Stelle an alle Beteiligten des Praxiskongresses Arbeitssicherheit 2010 in Düsseldorf und auf zur zweiten Runde am 29.-30. September 2010 in Karlsruhe.

Quelle: WEKA MEDIA GmbH & Co. KG
Stand: März 2010